Schriftklassifikationen nach DIN 16518 10.02.2026
Die DIN-Norm DIN 16518 regelt das in Deutschland gebräuchliche Klassifizierungssystem für Schriftarten. Die verschiedenen Schriftarten werden demnach entsprechend ihrem Charakter und ihrer Formgebung insgesamt elf Gruppen zugeordnet.
1. Venezianische Renaissance-Antiqua

Zur Klasse 1 der Schriftenklassifizierung (Venezianische Renaissance-Antiqua) zählen Schriften aus der Frühzeit der Druckkunst (etwa von 1465 bis 1530).
Formprinzip und Merkmale
Die Formgebung der Lettern ergibt sich aus dem Schriftbild einer Breitfeder. Da diese beim Schreiben schräg angesetzt wird, liefert sie charakteristische Merkmale:
- Schräg verlaufende Dachansätze
- Kräftig ausgeprägte Serifen
- Oft abgerundete Serifenenden
- Serifenunterkante häufig gekehlt
- Offene Buchstabenformen
- Nach links geneigte Schattenachse
- Meist schräg liegender Querstrich des e
- Strichstärkenunterschiede fallen nicht markant auf
- Majuskeln oft mit geringerer Höhe als die Oberlängenhöhe
Italia, Tiffany, Centaur, Schneidler, Weidemann
Wirkung und Einsatzgebiete
Venezianische Renaissance-Antiqua wirken zum einen durch ihre gewisse Unregelmäßigkeit organisch, spannungsvoll und lebhaft. Da sie des Weiteren auch einen antiquierten, altmodischen und würdigen Charakter haben, finden diese Schriften z.B. in der klassischen Literatur Anwendung und wenn Tradition, Bestand und Seriosität vermittelt werden soll.
2. Französische Renaissance-AntiquaIn der Schriftklasse Französische Renaissance-Antiqua, der Klasse 2, finden sich Schriften, die sich ab Mitte des 16. Jahrhunderts in Frankreich aus den venezianischen Druckschriften entwickelten.
Formprinzip und Merkmale
Die Französischen Renaissance-Antiqua lassen sich von den venezianischen Varianten durch eine allgemein feinere gleichmäßigere Ausgestaltung des Schriftbilds unterscheiden. Die Abgrenzung der beiden Klassen ist jedoch nicht immer eindeutig.
- Schräg verlaufende Anstriche/Dachansätze
- Querstrich des e praktisch waagerecht
- Majuskeln oft mit geringerer Höhe als die Oberlängenhöhe
- Offene Buchstabenformen
- Optische Achse der Rundformen: Leicht nach links geneigt
- Serifenübergänge: Rund
- Serifenunterkante: Leicht bis wenig gekehlt
- Strichstärkenunterschiede deutlicher als bei der Venezianischen Renaissance-Antiqua
Garamond, Palatino, Meridien, Sabon, Minion
Wirkung und Einsatzgebiete
Französische Renaissance-Antiqua haben meist ein ruhiges und ausgeglichenes Schriftbild, was einen soliden Eindruck vermittelt und zu einer sehr guten Lesbarkeit führt. Diese Schriften werden daher von allen Schriftklassen am häufigsten als Grundschrift für Romane eingesetzt.
3. Barock-Antiqua/Vorklassizistische Antiqua

Zu den Barock-Antiqua zählen Schriften, die sich – einhergehend mit dem technischen Fortschritt im Druckgewerbe – ab der Mitte des 17. Jahrhunderts entwickelten.
Formprinzip und Merkmale
Mit dem Beginn des 17. Jahrhunderts dringt allmählich das Verfahren des Kupferstichs durch, wodurch sich die Formgebung der Lettern verfeinert.
- Flache Serifen ohne Kehlungen
- Horizontale Stand- und Kopfserifen der Großbuchstaben sind symmetrisch
- Querstrich des e waagerecht
- Endungen oft in Tropfenform
- Fast geschlossene Buchstabenformen
- Schattenachse steht beinahe senkrecht
- Kräftige Kontraste zwischen Haar- und Grundstrichen
- Deutliche Unterschiede zwischen feinen Auf- und dickeren Abstrichen
- Abschlüsse der Oberlängen weniger angeschrägt als bei den Renaissance-Antiqua
Janson, Fournier, Baskerville, Cochin, Times, Slimbach
Wirkung und Einsatzgebiete
Der Charakter ist etwas kühler und linearer, als der ihrer Vorgänger. Einsatzgebiete finden sich in Zeitungen, Zeitschriften und Magazinen.
4. Klassizistische Antiqua

Diese 4. Schriftklasse umfasst Schriften, die sich ab Mitte des 18. Jahrhunderts ausbreiten.
Formprinzip und Merkmale
Klassizistische Antiqua wurden mit Lineal und Zirkel gefertigt, um den klassischen Vorstellungen von Klarheit und Norm gerecht zu werden.
- Ausgeprägte Unterschiede in den Haar- und Grundstrichstärken
- Waagerechte, lange, fein auslaufende Serifen ohne ausgerundete Übergänge zu den Grundstrichen
- Serifenunterkante: Steht gerade auf der Grundlinie
- Fast geschlossene Buchstabenformen
- Senkrechte Schattenachse
- Oberlängen der Minuskeln gleich Versalhöhe
- Waagerechter e-Strich
- Gleichmäßige Breite der Majuskeln
- Gerade Dachansätze der Majuskeln
Bodoni, Didot, Unger, Walbaum
Wirkung und Einsatzgebiete
Aufgrund ihrer zwar grazilen, aber äußerst statischen und linearen Wirkung sind Klassizistische Antiqua eher weniger für lange Textmengen geeignet. Diese Schriften haben sich jedoch beispielsweise bei Modelabels und in Fashionmagazinen etabliert.
5. Serifenbetonte Linear-Antiqua
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts entwickelten sich in England aufgrund steigender Nachfrage nach werbetauglichen Schriften die Serifenbetonten Linear-Antiqua.
Formprinzip und Merkmale
City, Memphis, Clarendon, Egyptian
Wirkung und Einsatzgebiete
Die durch die stark betonten Serifen entstehende ausgeprägte Zeilenbildung führt zu einer recht guten Lesbarkeit. Serifenbetonte Linear-Antiqua finden Verwendung in Zeitungen und Werbung. Übertriebene Varianten erzeugen schnell eine Wildweststimmung.
6. Serifenlose Linear-Antiqu
Die Schriften der Serifenlose Linear-Antiqua werden auch als Grotesk bezeichnet.
Formprinzip und Merkmale
Futura, Helvetica, Frutiger, Avenir, Arial
Wirkung und Einsatzgebiete
Zuerst wirkten die Serifenlosen Linear-Antiqua sehr ungewohnt. Sie wurden daher als Werbeschriften eingesetzt, deren Wesen bekanntlich die Erregung von Aufmerksamkeit sein soll. Heutzutage sind serifenlose Schriften für uns ganz alltäglich. Sie wirken kühl, nüchtern, modern, elegant und schlicht. Im Internet werden fast nur serifenlose Schriften verwendet. Im Printbereich finden Serifenlose Schriften vor allem bei sehr kleinen und sehr großen Schriftgrößen Anwendung, also zum Beispiel im „Kleingedruckten“ von Verträgen oder auf großflächigen Plakaten und Reklametafeln. Einsatzgebiete sind des Weiteren Bereiche, in denen Informationen schnell erfasst werden müssen, z.B. bei Hinweisschildern und Zeitungsüberschriften. Wissenschaftlich-technische Texte werden oft in diesen Schriften verfasst.
7. Antiqua Varianten
Die Klasse 7 der Schriftenklassifizierung fasst Schriften zusammen, die wegen abweichender Eigenschaften nicht den vorherigen Gruppen zuzuordnen sind, aber dennoch über Merkmale der Antiqua verfügen.
Formprinzip und Merkmale
Eckmann, Arnold Böcklin, Optima, Lithos
Wirkung und Einsatzgebiete
Nicht ausschließlich, aber häufig finden sich unter den Antiqua Varianten Zierschriften für dekorative Zwecke.
8. Schreibschriften
Bei den Schreibschriften handelt es sich um Schriftarten, die häufig auf Handschriften zurückgeführt werden können.
Formprinzip und Merkmale
Englische Schreibschrift, Linoscript, Dolores, Caflisch Script
Wirkung und Einsatzgebiete
Bei den Schreibschriften steht weniger die Lesbarkeit, als vielmehr der gestalterische Aspekt im Vordergrund. Ihre Wirkung kann von traditionell, über kindlich-verspielt und zwanglos bis hin zu sehr elegant reichen. Schreibschriften werden meist nur zur Auszeichnung oder zu dekorativen Zwecken eingesetzt, also z.B. auf Einladungen zu feierlichen Anlässen, Glückwunschkarten oder Tischkarten.
9. Handschriftliche Antiqua
In die Klasse 9 fallen alle Schriften, die sich aus den Antiqua ableiten, jedoch vom Schriftkünstler durch Merkmale von Handschriften personalisiert wurden.
Formprinzip und Merkmale

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts entwickelten sich in England aufgrund steigender Nachfrage nach werbetauglichen Schriften die Serifenbetonten Linear-Antiqua.
Formprinzip und Merkmale
- Ausgeprägte und betonte Serifen
- Kaum Kontraste in den Strichstärken (oft Grundstrichstärke = Haarstrichstärke = Serifenstärke)
- Senkrechte Schattenachsen
- Waagerecht verlaufende Anstriche
- Oberlängen der Minuskeln und Versalienhöhe gleich
- Waagerechter e-Strich
City, Memphis, Clarendon, Egyptian
Wirkung und Einsatzgebiete
Die durch die stark betonten Serifen entstehende ausgeprägte Zeilenbildung führt zu einer recht guten Lesbarkeit. Serifenbetonte Linear-Antiqua finden Verwendung in Zeitungen und Werbung. Übertriebene Varianten erzeugen schnell eine Wildweststimmung.
6. Serifenlose Linear-AntiquDie Schriften der Serifenlose Linear-Antiqua werden auch als Grotesk bezeichnet.
Formprinzip und Merkmale
- Wenig bis keinen Kontrast in den Strichstärken
- Geometrisches Grundprinzip
- Schattenachse meist senkrecht
- Oft Oberlängen der Minuskeln gleich Versalienhöhe
Futura, Helvetica, Frutiger, Avenir, Arial
Wirkung und Einsatzgebiete
Zuerst wirkten die Serifenlosen Linear-Antiqua sehr ungewohnt. Sie wurden daher als Werbeschriften eingesetzt, deren Wesen bekanntlich die Erregung von Aufmerksamkeit sein soll. Heutzutage sind serifenlose Schriften für uns ganz alltäglich. Sie wirken kühl, nüchtern, modern, elegant und schlicht. Im Internet werden fast nur serifenlose Schriften verwendet. Im Printbereich finden Serifenlose Schriften vor allem bei sehr kleinen und sehr großen Schriftgrößen Anwendung, also zum Beispiel im „Kleingedruckten“ von Verträgen oder auf großflächigen Plakaten und Reklametafeln. Einsatzgebiete sind des Weiteren Bereiche, in denen Informationen schnell erfasst werden müssen, z.B. bei Hinweisschildern und Zeitungsüberschriften. Wissenschaftlich-technische Texte werden oft in diesen Schriften verfasst.
7. Antiqua Varianten

Die Klasse 7 der Schriftenklassifizierung fasst Schriften zusammen, die wegen abweichender Eigenschaften nicht den vorherigen Gruppen zuzuordnen sind, aber dennoch über Merkmale der Antiqua verfügen.
Formprinzip und Merkmale
- Häufig ausgeprägter Dekorationscharakter
- Mischformen zwischen zwei oder mehreren Schriftklassen
Eckmann, Arnold Böcklin, Optima, Lithos
Wirkung und Einsatzgebiete
Nicht ausschließlich, aber häufig finden sich unter den Antiqua Varianten Zierschriften für dekorative Zwecke.
8. Schreibschriften

Bei den Schreibschriften handelt es sich um Schriftarten, die häufig auf Handschriften zurückgeführt werden können.
Formprinzip und Merkmale
- Oft deutliche Schräglage der Hauptachse der Zeichen
- Sehen aus wie mit Feder oder Pinsel geschrieben
- Schwungvolle Strichführung
- Häufig Betonung der Anfangsbuchstaben
- Minuskeln untereinander verbunden
- Nicht genaue Ausrichtung auf der Schriftline
Englische Schreibschrift, Linoscript, Dolores, Caflisch Script
Wirkung und Einsatzgebiete
Bei den Schreibschriften steht weniger die Lesbarkeit, als vielmehr der gestalterische Aspekt im Vordergrund. Ihre Wirkung kann von traditionell, über kindlich-verspielt und zwanglos bis hin zu sehr elegant reichen. Schreibschriften werden meist nur zur Auszeichnung oder zu dekorativen Zwecken eingesetzt, also z.B. auf Einladungen zu feierlichen Anlässen, Glückwunschkarten oder Tischkarten.
9. Handschriftliche AntiquaIn die Klasse 9 fallen alle Schriften, die sich aus den Antiqua ableiten, jedoch vom Schriftkünstler durch Merkmale von Handschriften personalisiert wurden.
Formprinzip und Merkmale
- Erscheinungsbild einer Druckschrift entsprechend regelmäßig
- Den Handschriften nachempfunden
- Buchstaben nicht untereinander verbunden
Schriftbeispiele
Post Antiqua, Arkona, Vivaldi, Zapf Chancery
Wirkung und Einsatzgebiete
Da diese Schriften ebenso wie Handschriften den individuellen Stilcharakter betonen, haben sie ein ähnliches Einsatzgebiet wie Schreibschriften, können aber je nach beabsichtigter Wirkung mehr oder weniger passend sein.
10. Gebrochene Schriften
Die Gebrochenen Schriften der Klasse 10 sind in Deutschland vom 12. Jahrhundert bis 1941 gebräuchlich, prägen also vor allem das Schriftbild des Mittelalters.
Formprinzip und Merkmale
Die veränderte Schriftform steht im Einklang mit dem Vordringen des gotischen Baustils, bei dem die Spitzbögen als architektonisches Stilmittel im Vordergrund standen. So zeigt sich auch in der Strichführung der Buchstaben ein deutlich sichtbares „Knicken“, was durch einen abrupt auftretenden Richtungswechsel der Feder entsteht.
Gotische Minuskel, Rotunda, Bastarda, Schwabacher, Fraktur
Wirkung und Einsatzgebiete
Mögliche Assoziationen mit Gebrochenen Schriften sind: altmodisch, verstaubt, mittelalterlich, kirchlich, märchenhaft, geheimnisvoll, auffallend, intelligent, schwer und dunkel. Daher eignen sie sich unter anderem für Urkunden und Diplome, kirchliche Literatur und Bibelverse sowie für Gothic- und Horrorliteratur.
11. Fremde Schriften
Die Gruppe der Fremden Schriften fasst im Wesentlichen griechische, hebräische, kyrillische, arabische und fernöstliche Schriften sowie die Bilder- und Symbolschriften zusammen – also alle Schriften, die nicht lateinischen Ursprungs sind.
Schriftbeispiele
Chinesische Schriften, Hebräische Schriften, Japanische Schriften, Indische Schriften, Kyrillische Schriften
Post Antiqua, Arkona, Vivaldi, Zapf Chancery
Wirkung und Einsatzgebiete
Da diese Schriften ebenso wie Handschriften den individuellen Stilcharakter betonen, haben sie ein ähnliches Einsatzgebiet wie Schreibschriften, können aber je nach beabsichtigter Wirkung mehr oder weniger passend sein.
10. Gebrochene SchriftenDie Gebrochenen Schriften der Klasse 10 sind in Deutschland vom 12. Jahrhundert bis 1941 gebräuchlich, prägen also vor allem das Schriftbild des Mittelalters.
Formprinzip und Merkmale
Die veränderte Schriftform steht im Einklang mit dem Vordringen des gotischen Baustils, bei dem die Spitzbögen als architektonisches Stilmittel im Vordergrund standen. So zeigt sich auch in der Strichführung der Buchstaben ein deutlich sichtbares „Knicken“, was durch einen abrupt auftretenden Richtungswechsel der Feder entsteht.
- Gebrochene Bögen
- Strichführung der Breitfeder
- Teilweise sehr starke Fett-/Fein-Kontraste
- Oft feine An- und Endstriche
- Schräger e-Strich
Gotische Minuskel, Rotunda, Bastarda, Schwabacher, Fraktur
Wirkung und Einsatzgebiete
Mögliche Assoziationen mit Gebrochenen Schriften sind: altmodisch, verstaubt, mittelalterlich, kirchlich, märchenhaft, geheimnisvoll, auffallend, intelligent, schwer und dunkel. Daher eignen sie sich unter anderem für Urkunden und Diplome, kirchliche Literatur und Bibelverse sowie für Gothic- und Horrorliteratur.
11. Fremde SchriftenDie Gruppe der Fremden Schriften fasst im Wesentlichen griechische, hebräische, kyrillische, arabische und fernöstliche Schriften sowie die Bilder- und Symbolschriften zusammen – also alle Schriften, die nicht lateinischen Ursprungs sind.
Schriftbeispiele
Chinesische Schriften, Hebräische Schriften, Japanische Schriften, Indische Schriften, Kyrillische Schriften
<< zur Übersicht
Exzellente Qualität
Schnelle Lieferung
Sichere Zahlung
Ökologische Produktion





